Kommunikationswandel
"Der gegenwärtige Medienumbruch hat die Wucht eines Paradigmenwechsels, an dessen Ende ein neues Weltverständnis steht. Im Kern sind es Veränderungen in den Teilsystemen der Filterung und Finanzierung, die eine Neujustierung des gesamten Medienapparates erforderlich machen," schreibt Martin Oetting.
Die Finanzierungslogik hat bisher darauf basiert, dass mediale Verbreitung knapp ist. Im Journalismus wurde nicht reich, wer gut schreiben oder recherchieren konnte. Reich wurde, wer die Druckerpresse oder den Sender kontrolliert hat und damit auch die Werbeeinnahmen. Das ist mittelfristig vorbei. Wenn im Internet noch Werbung geschaltet wird, dann ist sie in jedem Fall billiger, denn was nicht knapp ist, kann nicht viel kosten. Wer diesen Umstand verkennt und diffus die Gesellschaft auffordert, Lösungen zu finden, die den Status Quo bewahren helfen, hat offenbar nicht begriffen, dass es gerade keine automatische ursächliche Verbindung zwischen Unternehmerinteressen und einem funktionierenden Journalismus gibt. Das Filtern verlagert sich von wenigen zu vielen und von Gatekeepern hin zu stärker maschinell, kollaborativ oder von beidem geprägten Filtersystemen. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Bewegung wieder umgekehrt werden kann. Forderungen an die Politik, wonach den alten Filtersystemen auch wieder ihre alte Bedeutung zukommen müsse, sind nur schlecht begründbar. In ihrer bestehenden Form wird unsere Medienlandschaft nicht weiter existieren. Sie kann es nicht, bei einem derart radikalen Bruch, der ihr die fundamentale ökonomische Grundlage entzieht. Das ist keine düstere Prophezeiung, es ist eine Gewissheit. Offen ist allein, wie lange es dauert. Dieser Text ist daher auch keine Utopie oder Brandrede, sondern nichts als ein weiterer Versuch, das Unvermeidbare zu verstehen. Thomas Kuhn hat erklärt, dass die Welten vor und nach einem Paradigmenwechsel "inkommensurabel" seien. Mit anderen Worten: so unterschiedlich, so anders, dass es kaum noch möglich ist, sie überhaupt zu vergleichen. Geschweige denn, die Rezepte aus der alten in der neuen Welt anzuwenden.
http://carta.info/18043/kommunikationswandel-die-vier-subsysteme-des-medienapparats/
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